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Staatliche Schlösser und Gärten BW · VR-Applikation · 2024

Schloss Mannheim VR

Ein Raum, den seit Jahrzehnten kaum jemand betreten durfte: Im Barockschloss Mannheim öffnet Virtual Reality die Tür zur Bibliothek der Kurfürstin Elisabeth Auguste — eine barrierefreie Zeitreise ins 18. Jahrhundert.

Zeitreise hinter verschlossene Türen

Das Refugium der Elisabeth Auguste

1755 ließ Kurfürst Carl Theodor das Bibliothekskabinett für seine Frau Elisabeth Auguste errichten — entworfen von Baumeister Nicolas de Pigage. Bis zu 1.000 Bücher fanden hier Platz, verborgen hinter geschnitzten Holzpaneelen. Als einer der wenigen Schlossräume überstand das Kabinett die Zerstörung des Zweiten Weltkriegs nahezu im Originalzustand — aus konservatorischen Gründen bleibt es der Öffentlichkeit jedoch verschlossen.

Genau hier setzt unsere VR-Anwendung an: Sie macht das intime Refugium der Kurfürstin für alle Gäste des Barockschlosses erlebbar. Nach dem „Mitternachtstheater" im Residenzschloss Ludwigsburg ist es bereits das zweite Virtual-Reality-Projekt, das wir für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg umsetzen durften.

Bibliothek der Kurfürstin VR — Barockschloss Mannheim
Vermessen bis in den Stuck

Photogrammetrie im Kabinett

Um das Raumkunstwerk originalgetreu in die virtuelle Welt zu übertragen, haben wir das Bibliothekskabinett photogrammetrisch erfasst: tausende hochauflösende, präzise ausgeleuchtete Fotos wurden zu einem fotorealistischen 3D-Modell verrechnet.

So bleiben verborgene Bücherregale, der reizvolle Deckenstuck und die geschnitzten Holzpaneele bis ins Detail erhalten — und die Musen und Allegorien der Deckengemälde entfalten ihr heiteres Ambiente auch in der VR-Brille.

Bibliothek der Kurfürstin VR — Photogrammetrie im Barockschloss Mannheim
Storytelling in Virtual Reality

Mit den Worten der Kurfürstin

In der Anwendung lauschen die Gäste Zitaten aus den Briefen Elisabeth Augustes und tauchen so in die Gedankenwelt der Kurfürstin ein. Die immersive Reise erzählt vom Rückzugsort einer der einflussreichsten Frauen des 18. Jahrhunderts — ganz ohne Vorwissen, dafür mit viel Atmosphäre.

Eine Besonderheit: Der Raum sah nicht immer so aus, wie ihn die Photogrammetrie heute festhält. Tapeten, Farben und Einrichtung wurden für die VR-Anwendung dem Zustand des 18. Jahrhunderts nachempfunden — so betreten die Gäste das Kabinett, wie es Elisabeth Auguste kannte. Und wer aufmerksam stöbert, entdeckt im virtuellen Rundgang sogar versteckte Liebesbriefe.

Bibliothek der Kurfürstin VR — Screenshot aus der Anwendung
Virtual Reality, barrierefrei gedacht

Virtuelle Besichtigung ohne Barrieren

Die Anwendung läuft standalone auf VR-Brillen direkt vor Ort — ohne Anmeldung und ohne Zusatzkosten. Gesteuert wird allein per Blicksteuerung: Damit eignet sich der Rundgang auch für Menschen mit Hör-, Seh-, Lese- und Mobilitätsbeeinträchtigungen; wer keine Brille aufsetzen kann, erlebt dieselben Inhalte auf dem Tablet. Als Teil des Landesprojekts „Virtuelle Rekonstruktion von Kulturliegenschaften" steht die Zeitreise den Gästen des Barockschlosses Mannheim seit 2024 offen — bei der Premiere probierten die geladenen Gäste sie gleich selbst aus, und sogar die Kurfürstin auf dem Gemälde trug für ein paar Fotos Brille.